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Statement zu Israel/ Palästina

Statement by Göttingen Postkolonial

in Solidarity with emancipatory civil society in Palestine and Israel as well as the diaspora.

This statement is a result of internal discussions following different workshops, discussions and events, where diverse and plural perspectives have been shared. We are willing to continuously be open for constructive criticism and controversial perspectives.

We, the open network “Göttingen Postkolonial” (which is mainly carried by white academics) condemns the murderous attacks against civilians in Gaza/Palestine. Like many others we fear the possibility of an ongoing genocide and call for an immediate ceasefire. 

We do not close our eyes to the complexity of the conflict: we also stand in solidarity with those Israelis who have lost their loved ones during the murderous attacks by Hamas and/or who continue to fear for the well-being of hostages and themselves.

It shouldn’t be a question of either/or. Not about either anti-Semitism or racism. Not about the protection of Palestinian people or Jewish people. It should be about universal human rights and a safe and good life for all people. If not, then we have to re-assess our frameworks and work on them. 

We want to take responsibility for ourselves as part of a German majority society of some kind: For us it is important to highlight the roots of the conflict which can be found in European colonialism and especially in the centuries long ongoing anti-muslim/arab racism as well as the centuries long antisemitism.

Robert Habeck and many others called on Muslim people in Germany in particular to distance themselves from anti-Semitism. This leads us to think, has the White-Christian German society not internalised Anti-Semitism, that it needs to distance itself from? Anti-Semitism has a long tradition in Germany and even in Göttingen – and we all know that. Anti-Semitism in German society is sadly not a phenomenon of the past rather, a part of German culture. The “reconciliation theatre” (Max Czollek) of the German government and other institutions can no more make up for Germany’s history and the atrocities of the Shoah. On this note, unconditional solidarity with any national government is not justifiable – even when it comes to Israel.

Last November, Jewish-Irish descendants of Holocaust survivors chained themselves to the German embassy in Dublin under the slogan: “Germany, not another genocide” and placed the Holocaust as an extreme case of genocide in a series of German violence from the genocide of Herero, Nama, Damara and San in Namibia in 1904-1908, to the current involvement in the war against the people of Gaza. Such Perspectives are hardly ever discussed in Germany, but they are important perspectives that we must recognise.

Listening, looking away, remaining silent, accepting, repressing, ignoring or forgetting means joining in.

With the justification of wanting to prevent Israel-related Anti-Semitism, the rights to freedom of Expression, Association and Assembly of Palestinian people and people who campaign for the human rights of Palestinians and against war and violence in Palestine have been restricted in Germany for many decades.

We all agree that freedom of expression should not include the right to speak in an Anti-Semitic or racist way. 

The criticism of the State of Israel and Zionism is not to be interchanged with Anti-semitism, and this specific interpretation of Anti-Semitism is being used to silence voices. This act endangers the right to expression, and on a broader level, endangers democratic values. 

For us all this means in particular that Germany should stop the delivery of weapons to Israel immediately and use its power together with its international allies to persuade the Israeli government to stop the war immediately. Germany’s largest weapon manufacturer Rheinmetall has supplied arms for more than hundred years for wars all over the world and continues to do so even today, including supplies to Israel. They have a long history of violation of human rights. This must stop.

Additionally, we see the need for more braver spaces to openly talk about the conflict. We will try to continue to open and support such spaces. While we critically reflect on our long silence, we also want to encourage other groups and organisations to take positioning on the matter and break the silence. 

Göttingen, 2nd of May 2024

Addition (4nd of May 2024): We want to point out, that we are supporting and collaborating in different events concerning the issue. This does not mean, that we agree with the positions of all cooperation partners, but that we decided to work on the issue together and to open more possibilities for dialogue to counter the current closing of spaces and repression of the discourse.

Erklärung von Göttingen Postkolonial

in Solidarität mit der emanzipatorischen Zivilgesellschaft in Palästina und Israel sowie deren Diaspora.

Diese Stellungnahme ist das Ergebnis interner Diskussionen im Anschluss verschiedene Veranstaltungen und Workshops in denen unterschiedliche Perspektiven ausgetauscht wurden. Wir sind bereit, immer wieder offen zu sein für konstruktive Kritik und diverse Perspektiven.

Wir, das offene Netzwerk “Göttingen Postkolonial” (das mehrheitlich weiß-akademisch positioniert ist), verurteilen die mörderischen Angriffe auf Zivilist*innen in Gaza/Palästina. Wie viele andere befürchten wir die Möglichkeit eines anhaltenden Völkermordes und fordern einen sofortigen Waffenstillstand.

Wir verschließen nicht die Augen vor der Komplexität des Konflikts: Wir sind auch solidarisch mit denjenigen Israelis, die ihre Angehörigen bei den mörderischen Angriffen der Hamas verloren haben und/oder die weiterhin um das Wohlergehen der Geiseln und um sich selbst fürchten.

Es sollte keine entweder/oder Frage sein. Nicht um entweder Antisemitismus oder Rassismus. Nicht um den Schutz des palästinensischen oder des jüdischen Volkes. Es sollte um die allgemeinen Menschenrechte und ein sicheres und gutes Leben für alle Menschen gehen. Wenn das nicht der Fall ist, müssen wir unsere Rahmenbedingungen überdenken und an ihnen arbeiten.

Wir wollen Verantwortung für uns als Teil einer deutschen Mehrheitsgesellschaft übernehmen: Uns ist es wichtig, die Wurzeln des Konflikts aufzuzeigen, die im europäischen Kolonialismus und insbesondere im jahrhundertelang fortbestehenden antimuslimischen/arabischen Rassismus sowie im jahrhundertelangen fortbestehenden Antisemitismus zu finden sind.

Robert Habeck und viele andere riefen insbesondere Muslime in Deutschland auf, sich vom Antisemitismus zu distanzieren. Das führt uns zu der Frage: Hat die weiß-christliche deutsche Gesellschaft nicht einen Antisemitismus verinnerlicht, von dem sie sich distanzieren muss? Antisemitismus hat in Deutschland und auch in Göttingen eine lange Tradition – und das wissen wir alle. Antisemitismus in der deutschen Gesellschaft ist leider kein Phänomen der Vergangenheit, sondern ein Teil der deutschen Kultur. Das “Versöhnungs Theater” (Max Czollek) der deutschen Regierung und anderer Institutionen kann die deutsche Geschichte und die Gräueltaten der Shoah nicht mehr wettmachen. In diesem Sinne ist eine bedingungslose Solidarität mit jeder nationalen Regierung nicht vertretbar – auch nicht mit Israel.

Im vergangenen November ketteten sich jüdisch-irische Nachfahren von Holocaust-Überlebenden unter dem Motto „Deutschland, nicht noch ein Genozid“ an die deutsche Botschaft in Dublin und stellten den Holocaust als Extremfall von Völkermord in eine Reihe deutscher Gewalttaten vom Völkermord an Herero, Nama, Damara und San in Namibia 1904-1908 bis zur aktuellen Beteiligung am Krieg gegen die Menschen in Gaza. Solche Perspektiven werden in Deutschland kaum diskutiert, aber es sind wichtige Perspektiven, die wir anerkennen müssen.
Zuhören, Wegschauen, Schweigen, Hinnehmen, Verdrängen, Ignorieren oder Vergessen bedeutet Mitmachen.

Mit der Begründung, israelbezogenen Antisemitismus verhindern zu wollen, werden in Deutschland seit vielen Jahrzehnten die Rechte auf freie Meinungsäußerung, Vereinigungs- und Versammlungsfreiheit von Palästinensern und Menschen, die sich für die Menschenrechte der Palästinenser und gegen Krieg und Gewalt in Palästina einsetzen, eingeschränkt.

Wir alle sind uns einig, dass die Meinungsfreiheit nicht das Recht beinhalten sollte, sich antisemitisch oder rassistisch zu äußern. Die Kritik am Staat Israel und am Zionismus ist nicht mit Antisemitismus gleichzusetzen, und diese spezifische Interpretation von Antisemitismus wird benutzt, um Stimmen zum Schweigen zu bringen. Dieser Akt gefährdet das Recht auf Meinungsäußerung und auf einer breiteren Ebene die demokratischen Werte.

Für uns alle bedeutet dies insbesondere, dass Deutschland die Waffenlieferungen an Israel sofort stoppt und seine Macht zusammen mit seinen internationalen Alliierten nutzt, um die israelische Regierung zu überzeugen, den Krieg zu beenden. Der größte deutsche Waffenhersteller Rheinmetall liefert seit mehr als hundert Jahren Waffen für Kriege in aller Welt und tut dies auch heute noch, auch nach Israel. Sie haben kontinuierlich Menschenrechte in großem Stil verletzt. Das muss zu Ende kommen.

Außerdem sehen wir die Notwendigkeit, mehr mutigere Räume zu schaffen, um offen über den Konflikt zu sprechen. Wir werden versuchen, solche Räume weiterhin zu eröffnen und zu unterstützen.

Während wir unser langes Schweigen kritisch reflektieren, wollen wir auch andere Gruppen und Organisationen ermutigen, zu diesem Thema Stellung zu nehmen und das Schweigen zu brechen. 

Göttingen, 02. Mai 2024

Nachtrag (4. Mai 2024): Wir möchten darauf hinweisen, dass wir verschiedene Veranstaltungen zu diesem Thema unterstützen und daran mitarbeiten. Dies bedeutet nicht, dass wir mit den Positionen aller Kooperationspartner übereinstimmen, sondern dass wir uns entschlossen haben, gemeinsam an dem Thema zu arbeiten und mehr Möglichkeiten für den Dialog zu eröffnen, um der derzeitigen Schließung von Räumen und der Unterdrückung des Diskurses entgegenzuwirken.

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