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Kunstkollektiv Unfairgessen lädt zum Südwestafrika-Denkmal

“Schätzungsweise kostete dieser Krieg zwischen 40.000 und 100.000 Herero und Nama das Leben. Dem stehen 676 gefallene und 689 an Krankheiten verstorbene deutsche Soldaten gegenüber. Den vier Gefallenen 82ern zu Ehren errichtete das Göttinger Regiment im Oktober 1910 eines der ersten Kolonialdenkmäler in Deutschland. Während der Hundertjahrfeier des Regiments im August 1913 wurde das Denkmal noch um einen Bronzeadler erweitert. Seit 1978 steht es im Mittelpunkt politischer Kontroversen.”
(http://www.goettingenkolonial.uni-goettingen.de/…/goett…)
Das sogenannte Südwestafrika-Denkmal erinnert an den Tod von zwischen 40.000 und 100.000 Menschen im Genozid an den Herrero und Nama durch deutsche Kolonialtruppen (1904 – 1908). Errichtet wurde es für 4 am Genozid beteiligte Göttinger gestorbene Soldaten – nicht für die Opfer des brutalen Massenmordes.
Der erste Genozid des letzten Jahrhunderts sollte leider nicht der Einzige und Letzte bleiben, wie wir nun alle wissen.
Heute – fast 120 Jahre später – steht das Denkmal für den Prozess in Bezug auf unser koloniales Erbe, den die deutsche Gesellschaft seither durchgangen ist.
Das Denkmal ist ein Symbol dafür, wie wir an die Greueltaten der Vergangenheit in den ehemaligen Kolonialgebieten und in Europa erinnern, aber darüber hinaus auch, wie wir mit kolonialrassistischen Kontinuitäten heute umgehen.
Versteckt im grünen Gestrüpp, steht der Sockel thronend und mahnend dafür, dass die Geschichte nicht einfach vergessen werden kann. Auch wenn das Blut der Ermordeten längst nicht mehr sichtbar ist, so leben die Nachkommen des Genozids im heutigen Namibia weiter. Sie leben in Afrika und in Europa, wohnen in Deutschland und in Namibia, genauso wie die Erben der Kolonialsoldaten und Kolonialherren – überall auf der Welt. In den meisten Teilen der Welt hat die Kolonialzeit tiefe Spuren und Rinnen hinterlassen, die auch heute noch unsere Gesellschaften durch ihre Bahnen lenken. So auch hier in Göttingen. Das Südwestafrikadenkmal steht an der Kreuzung zwischen Friedländer Weg, der ins Ostviertel führt, und der Geismarer Landstraße, die auf die Innenstadt zuläuft, in der immer noch ehemalige Kolonialwarenläden Tee oder Kaffee für die Bürger*innen der Stadt verkaufen.
Das Denkmal verbildlicht die Art und Weise wie lokal auf die Vergangenheit geblickt wird und stellt dies im Kontrast zur Gegenwart. Der Raum hier wird gefüllt mir der Leere, die stumm schreit und ignoriert wird. Der Leere, die einst gefüllt war mit Göttinger Euphorie für den kolonialen Krieg, der Begeisterung für die kolonialen Erkundungen und Verbrechen, die wir seither wirtschaftlich zu unserem Vorteil nutzen.
Eingezäunt und unzugänglich steht das Denkmal für unsere Sprachlosigkeit und unser Schweigen. Der Stein währt seit 111 Jahren. Efeu versucht zu verdecken was einst war – doch die Taten von Gestern bilden unsere Welt von Heute und weisen in eine mögliche Zukunft, die jederzeit erlaubt, Fehler zu wiederholen.Einladung Kollektiv Unfairgessen 230921

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